Wie stark bestimmen unsere Gene, wie lange wir leben?
Wer sich mit gesundem Altern beschäftigt, kennt die klassischen Empfehlungen: ausgewogene Ernährung, Bewegung, Stressreduzierung. Doch wie groß ist der Einfluss unserer Gene auf unsere Lebensdauer wirklich?
Eine aktuelle wissenschaftliche Studie liefert überraschende Einsichten — und rückt die Rolle der Genetik stärker in den Mittelpunkt, als bisher angenommen.
Gene haben mehr Einfluss als gedacht
Bislang ging die Forschung davon aus, dass Gene nur rund 20–30 % der Unterschiede in der Lebenserwartung erklären. Der größere Teil wurde Lebensstil, Umwelt und sozialem Kontext zugeschrieben.
Eine neue Analyse internationaler Forschender*, veröffentlicht im Fachjournal Science, kommt jedoch zu einem anderen Ergebnis:
Bis zu etwa 50 % der Variation in der Lebenserwartung könnten genetisch bedingt sein. (PubMed)
Das heißt: Unsere genetische Ausstattung beeinflusst deutlich stärker, wie wir altern – und wie robust unser Körper im Laufe des Lebens funktioniert.

Was wurde anders gemacht als zuvor?
Der entscheidende Unterschied zur bisherigen Forschung liegt in der Methodik. Die Wissenschaftler:innen nutzten umfangreiche Zwillingsdaten aus mehreren Ländern und betrachteten nur Todesursachen, die mit dem biologischen Alterungsprozess zusammenhängen. Externen Todesursachen wie Unfällen oder Infektionen, die den Einfluss der Gene „verstecken“ können, wurde mathematisch herausgerechnet. (PubMed)
Diese neue Perspektive ermöglicht es, den genetischen Beitrag zum intrinsischen Altern klarer zu schätzen — also jenem Teil der Lebenserwartung, der tatsächlich durch biologische Prozesse gesteuert wird.
Was bedeutet das für gesundes Altern?
Diese Erkenntnisse sind wichtig, doch sie führen nicht zu einem deterministischen Schluss:
Gene sind kein fixes Schicksal.
Auch wenn sie einen bedeutenden Rahmen vorgeben, bleibt ein großer Teil unserer Lebensdauer beeinflussbar durch Lebensstil, Umwelt und medizinische Versorgung.
Das heißt konkret:
- Gene beeinflussen, wie resilient unsere Zellen Alternsprozesse bewältigen oder auf Stress reagieren.
- Lebensstil und Umwelt wirken stark darauf ein, wie dieses genetische Potenzial genutzt wird.
- Auch Menschen mit ungeeignetem genetischen Hintergrund können durch einen gesunden Lebensstil deutlich länger und gesünder leben.
Wertvolle Perspektiven für Forschung und Praxis
Ein besseres Verständnis der genetischen Einflüsse eröffnet Chancen für:
- gezieltere Prävention
- personalisierte Gesundheitsstrategien
- neue wissenschaftliche Ansätze in der Alters- und Longevity-Forschung
Langfristig könnte dieses Wissen nicht nur dazu beitragen, Leben zu verlängern, sondern vor allem gesunde Lebensjahre zu erhöhen.
Fazit: Gene als Basis, Lebensstil als Schlüssel
Die aktuelle Forschung zeigt deutlich:
Gesundes Altern entsteht aus dem Zusammenspiel von Genetik, Lebensstil und Umwelt.
Gene geben den Rahmen vor – doch wie wir diesen Rahmen gestalten, liegt zu einem erheblichen Teil in unserer eigenen Hand. Bewusste Entscheidungen, ganzheitliche Gesundheitsstrategien und aktive Lebensgestaltung bleiben daher zentrale Schlüssel zu Vitalität und Lebensqualität bis ins hohe Alter.

Fuentes
- Veröffentlichung zur genetischen Heritabilität der Lebenserwartung (Science, Twin-Studien-Analyse): Heritability of intrinsic human life span is about 50% when confounding factors are addressed. (PubMed)
- Zusammenfassende Darstellung der Studie und ihrer Ergebnisse durch das Weizmann Institute und verwandte Berichte. (Weizmann Canada)
- Ergänzende nationale Berichterstattung zur Studie: Gene beeinflussen unser Lebensalter stärker als gedacht. (Israelnetz)
Deja un comentario